· Pressemitteilung

Pflege ohne Grenzen: DRK Calw setzt auf internationale Fachkräfte

Einrichtungsleiterin Katarina Abel-Pfitzinger (mittig) mit den beiden tunesischen Pflegefachkräften Sameh Bengamra (links) und Souad Barhoumi (rechts).

Seit 2023 wirbt das Pflegezentrum „Am Lemberg“ in Nagold gezielt Fachkräfte aus dem Ausland an. Eine Antwort auf einen Arbeitsmarkt, der im Inland kaum noch Bewerberinnen und Bewerber hervorbringt.

Der Fachkräftemangel in der Pflege stellt Einrichtungen bundesweit vor zunehmende Herausforderungen. Die DRK Calw Soziale Dienste gGmbH hat frühzeitig reagiert: Bereits seit 2023 setzen wir systematisch auf die Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland. Was als strategische Notwendigkeit begann, hat sich zu einem gelebten Modell interkultureller Zusammenarbeit entwickelt.

Ein multikulturelles Team als Antwort auf den Pflegenotstand

Im DRK-Pflegezentrum „Am Lemberg“ in Nagold arbeiten Menschen aus 13 Nationen Seite an Seite – rund 50 Prozent der Belegschaft hat einen Migrationshintergrund. Diese Vielfalt betrifft nicht nur den Pflegebereich selbst, sondern ebenso die Hauswirtschaft und die Betreuung. Was auf den ersten Blick wie eine globale Begegnung wirkt, ist in Wahrheit das Ergebnis einer konsequenten Personalstrategie.

Die Pflege- und Sozialwirtschaft kommt ohne ausländische Fachkräfte nicht mehr über die Runden, 

betont Burkhard Schmidt, Prokurist der DRK Calw Soziale Dienste gGmbH. Die Zahlen geben ihm recht: Faktisch gibt es nur wenige Fachkraftbewerbungen aus Deutschland, Ausbildungsinteressierte aus dem Inland sind zur Seltenheit geworden. Verschlimmert wird die Situation durch den demografischen Wandel: Viele erfahrene Pflegekräfte der Babyboomer-Generation werden in den nächsten Jahren in Rente gehen und reißen damit ein erhebliches Loch in die Personalstruktur.

Zuwächse aus Usbekistan, Kosovo, Tunesien und Kamerun

Die Rekrutierungsaktivitäten der DRK Calw Soziale Dienste gGmbH sind breit aufgestellt: Aktuell verstärkt eine neue Fachkraft aus Usbekistan das Team. Für Spätherbst 2026 werden zwei weitere Kolleginnen und Kollegen aus der Republik Kosovo erwartet, zwei weitere folgen im ersten Quartal 2027. Zudem kommen im Sommer dieses Jahres zwei Fachkräfte aus Tunesien hinzu.

Besonders erfreulich: Insbesondere zwei der tunesischen Kolleginnen, die zu den ersten internationalen Fachkräften unseres Hauses zählen, sind hervorragend integriert und haben sich erheblich weiterentwickelt. Eine absolviert derzeit eine zweijährige Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, die andere steht kurz vor dem Beginn einer Weiterbildung im Pflegebereich. Diese Erfolgsgeschichten zeigen: Die investierten Bemühungen zahlen sich aus. Für unsere Einrichtung wie für die Menschen.

Auch in der Ausbildung setzen wir zunehmend auf internationale Bewerber: Aktuell absolvieren vier Auszubildende zur Pflegefachkraft ihre Ausbildung – alle mit Migrationshintergrund. Eine Auszubildende aus Kenia wird noch in diesem Sommer ihren Abschluss machen. Für den Ausbildungsbeginn im September 2026 liegen weitere Bewerbungen aus dem Ausland vor. Ein gewaltiger Schritt für junge Menschen, vor dem wir großen Respekt haben. Denn die generalistische Pflegeausbildung ist anspruchsvoll und trotz vorausgesetzter guter Deutschkenntnisse können sprachliche Hürden die Ausbildung zusätzlich erschweren.

Anspruchsvolle Anerkennung: Der Weg zur deutschen Pflegefachkraft

Die internationalen Fachkräfte, die zum DRK Calw kommen, sind keineswegs Quereinsteiger: Sie verfügen alle über einen pflegerischen Hintergrund. Ihre ausländischen Abschlüsse werden jedoch in Deutschland nur teilweise anerkannt, da mitunter deutliche Unterschiede zum deutschen Pflegestandard bestehen. Die daraus resultierenden Lücken müssen durch eine Fachkenntnispüfung nach deutschem Standard geschlossen werden. 

Mehr als ein Job: Integration als Gesamtkonzept

Der Weg einer internationalen Fachkraft zum DRK Calw endet nicht mit der Einstellung. Wir haben ein umfassendes Betreuungskonzept etabliert, das weit über das Berufliche hinausgeht. Unsere Mitarbeiterin Susanne Hagenlocher begleitet die neuen Kolleginnen und Kollegen vom Vorstellungsgespräch über die Wohnungssuche bis hin zu Behördengängen und steht als Ansprechpartnerin auch für persönliche Belange zur Verfügung. Dieses „Mutterersatz“-Prinzip, wie Burkhard Schmidt es nennt, ist ein wesentlicher Baustein für das Gelingen der Integration.

Der Aufwand, Fachkräfte ins Land zu holen, sie mit Wohnraum zu versorgen, bei Behördengängen zu begleiten und auf den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten, ist beträchtlich. Dennoch ist Schmidt überzeugt: „Es gibt keine Alternative.“ 

Ein Modell mit Zukunft

Die DRK Calw Soziale Dienste gGmbH steht exemplarisch für eine Entwicklung, die die gesamte Pflegebranche betrifft: Internationale Fachkräfte sind längst keine Notlösung mehr, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsfähigen Personalstrategie. Das multikulturelle Team in Nagold beweist täglich, dass Vielfalt nicht nur eine Antwort auf den Fachkräftemangel ist. Sie ist auch eine Bereicherung für die Unternehmenskultur und die Qualität der Pflege.

Geschäftsführer Thomas Seeger bekräftig abschließend: 

Ohne den kontinuierlichen Zuzug von Pflegefachkräften aus dem Ausland können wir unser Pflegeangebot nicht nachhaltig anbieten.